Das Projekt in der Doblerstrasse ermöglicht mir, Bilder zu malen, die ich seit Jahren in mir trage.
Meine politische Erziehung und Entwicklung verlangt eine sozialkritische Auseinandersetzung und künstlerische Verarbeitung von Themen wie Hartz IV mit 1-€-Job und Wohnsitzanbindung durch Ummeldepflicht und planmäßige Umweltzerstörung.
Ich empfinde eine schmerzhafte Wunde in unserem Zusammenleben, weil immer mehr Menschen in unserer Wohlstandsgesellschaft in eine für sie ausweglose Situation geraten, in der sie vermehrt in Ohnmacht resignieren.
Meine Kritik richtet sich nicht in erster Linie gegen den deutschen Staat und seine Vertreter, sondern meine Bilder wollen bewusst machen, dass vor allem unsere einseitig verteilende Erfolgs- und Wirtschaftsgläubigkeit dafür verantwortlich ist, dass Menschen, die im Konkurrenzkampf unterliegen, an den Rand gedrängt werden und in existenzieller Angst auf sich alleine gestellt, persönliche Depressionen erleben.
Meine Bilder vermitteln den Betrachtern einen neuen und menschlichen Blickwinkel auf die menschenunwürdigen Lebenslagen, die uns alle früher oder später im Leben selbst betreffen können. Gerade die zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber den Zuständen und Aussichten für Menschen in Arbeitslosigkeit, Krankheit und Alter macht auch vor uns Künstlern keinen Halt. Der Wirtschaftglaube raubt auch uns immer mehr die Existenzgrundlagen. Politische Kunst mahnt und motiviert uns alle zu mehr Menschlichkeit. Mit dem Leben und Durchsetzen von Menschlichkeit sorgen wir auch für unser eigenes Wohlergehen vor, wenn wir selbst nicht mehr dazu aktiv in der Lage sein sollten.
In meinem roten Kreuz-Bild mit dem Titel „Hartz IV-Künstler passen nicht ins soziale Raster“ verwende ich reliefartige Strukturen: fallende Menschen, eine verzweifelte Mutter mit ihrem toten Baby.
Die sechs Darstellungen von Künstlern, die aus dem „Fenster – Rahmen“ fallen, zeigen verschiedene Charaktere, die um ihre Existenz ringen. Depressiv, kämpferisch, resigniert hängend, sarkastisch-zynisch, verzweifelt, demütig – und als Warnung der Hinweis: „vielleicht ein Platz für dich . . . „
Mit dem zweiten schwarzen Kreuz zeige ich die Ohnmacht von Menschen, die durch die Hartz IV-Ummeldepflicht wie der blutende tote Fuchs in ihrer aussichtlosen Lebenslage an die Falle eines wirtschaftlich ungünstigen Wohnortes angekettet werden.
Das Bild „Finanzieller Drahtseilakt“ zeigt eine Tänzerin auf Stacheldraht tanzend, die, trotz ihrer deprimierenden bedrohlichen Situation, in scheinbarer Leichtigkeit versucht, ihre innere und äußere Balance zu wahren.
Meine blaue Installation gegen Umweltverschmutzung mit dem Titel „Globalisierungsverlierer, aber Müllgewinner“ ist ein empörter Aufschrei gegen die Ungerechtigkeit, die wir unserer Mutter Erde ausgerechnet im Naturparadies Afrika antun.
Bei der afrikanischen Braut stehen in den Mustern ihres weißen Kleides mit den Konturen Afrikas und in ihrem Schleier die Namen von verschiedenen Giften, die seit Jahren an der afrikanischen Küste rücksichtslos in großen Mengen entsorgt werden.
Der reine blaue Hintergrund bringt die Giftigkeit, die in den öligen, blutverschmierten Müllsäcken im unteren Teil der Installation steckt, noch kontrastreicher und bizarrer zur Geltung. Giftlieferungen lassen sich für mich nicht verstecken.
Meine Bilder zur Aussichtslosigkeit der bei uns im Stich gelassenen Menschen in sozialen Randlagen und zur rücksichtslosen Zerstörung Afrikas zeigen gemeinsam auf, wohin uns die rein wirtschaftlich orientierte Grundhaltung und die dafür dienende Planung und Berichterstattung unserer Politiker, Manager und Massenmedien bereits geführt haben. Wir stecken dadurch systematisch in menschlichen Zugzwängen, Notlagen und Sackgassen und zerstören vor unseren Augen unwiderruflich die schönsten Lebensräume unserer Erde.
Angesichts dieser erfolgreichen Verdrängung erinnern meine Werke uns über die Konfrontation mit den erschreckenden Folgen unserer Grundhaltungen und Planungen an unsere ursprüngliche Liebe und Verantwortung gegenüber dem Leben und dem Lebensraum.
Wir werden beim Betrachten durch Betroffenheit zur Besinnung geführt, was in uns die Kraft und den Willen zur Veränderung mobilisieren und uns zum nötigen Mut für die Umsetzung führen kann. |